Wie durchgeknallt darf „Mann“ sein?

Einen Roman in der Hand, ich lese normal nicht sehr gerne, doch das Buch hat mich in seinen Bann gezogen. Wieso lese ich es? Ich sitze am Wasser, es ist der zweite Jänner, ich bin alleine und hab 12 Hektar eiskaltes Naß vor mir. Seit 24 Stunden ohne Biß, es hat tiefe Minusgrade, eine Brise aus West knallt mir ins Gesicht und es läßt mich der Gedanke ans schöne warme Zu Hause keine Ruhe. Doch ich bin hier, es herrscht Stille, zu viel Stille? Es ist ein sehr magischer aber gleichzeitig auch sehr trostloser Augenblick. Wieso tu ich es, wieso friere ich mir den Allerwertesten ab? Nur um den Einen dort aus der Tiefe zu locken? Steht es dafür eine Verkühlung der Superlative einzufangen nur für dieses eine Foto? Ich frage mich oft warum. Ganz einfach weil es der Trieb in mir ist, ich muß raus um diese Dinge zu erleben, zu fühlen und  zu spüren. Egal wie viel Anstrengung und Kraft es kostet.

 

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Sau kalt…  

Warum so schwer?

 

Seit vielen Jahren beangle ich nun den Karpfen. Vieles hat sich dabei geändert. Abgesehen von der Ausrüstung und den damit verbundenen Kosten auch die Einstellung zum Hobby. Ich habe keine Lust mehr auf einem Gewässer zu sitzen wo mir die Karpfen sprichwörtlich in den Kescher schwimmen. So war es an der Zeit zu neuen Ufern aufzubrechen. Das Lehrgeld habe ich dann sorgfältig in Monatlichen Raten abbezahlt. Blanknacht um Blanknacht waren die teilweise sehr ernüchternden Ergebnisse. Ein Gewässer von dem ich im Vorhinein wußte wie schwer es sein würde dort einen Fisch zu überlisten. Doch warum dort, warum nicht im sauber besetzten Pool daneben wo man am Wochenende nicht nur einmal den Schrei von einem gelandeten Ausnahmefisch hört. Wieso tu ich mir das an? Ist es die Aufgabe die man sich selber stellt um anschließend sagen zu können man hat dort eh brav geangelt nur habe ich in duzenden Nächten leider keinen wirklich zählbaren Erfolg verbuchen können. Oh ein Brassen von 6,20kg. Natürlich liefert auch so ein Fisch in dieser Größe schon so etwas Ähnliches wie einen Drill ab, doch sitze ich wirklich hier um so einen Klodeckel der Extraklasse in die Linse zu halten? Da stellt man sich dann die Frage…Warum? Man ist dann mehr oder weniger gezwungen auf Gewässer zu angeln wo es nicht all zu schwer sein sollte einen Fisch zu überlisten, um wieder frischen Elan zu bekommen. Um zu testen ob die sündteuren Funkies überhaupt noch funktionieren und ob die Rollenbremse auch noch das tut wozu Sie eigentlich da ist. Erzähle das einem nicht so aktiven Angler. Der greift sich auf den Kopf und fragt dich ob du einen an der Waffel hast. Gehst du angeln oder Fische füttern? Da kommt man schnell mal ins grübeln. Und da ist sie schon wieder, die Frage „Warum“. Ich habe dieses Gewässer ein Jahr lang beangelt, ohne einen Karpfen auf meiner eigenen Matte gesehen zu haben. Ein Angelkollege der zur gleichen Zeit die Jagt auf Cyprinus Carpio an diesem Baggersee begann, benötigte über 100 Nächte für den ersten Karpfen. Respekt noch mal Michi für diese Härte. Ich für meinen Teil habe es aufgegeben, vielleicht paßt es in einigen Jahren noch mal um mich dieser Aufgabe zu stellen.

 

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Kein Fisch auf der Habenseite…                                                  Well done Michi, einfach nur geil!

 
Von 0 auf 100 in nur kurzer Zeit…

Wie in jedem Hobby auf diesem Planeten gibt es auch in unserem eine sogenannte Szene. Und die lernte im Sommer 2010 auch mein Bruder Christoph kennen. Und zwar bei unserer „Capers Bash“. Warum? Er half mir beim organisieren und spielte bei dem dort statt findeten Fußballturnier auch den Schiedsrichter. Was er aber nicht für möglich gehalten hatte war die Tatsache, daß er sich dort mit diesem Haufen „Geiler Typen“ mit dem Karpfenanglervirus infizierte.  Es waren einer der geilsten Partystunden die er bisher erleben durfte, meinte er. Das hat ihn dazu gestimmt sich einfach ein wenig in die Materie einzuleben. Dieses Einleben war aber alles andere als zaghaft und langsam. Gut er hatte bei der Anschaffung seines Tackles ja immerhin gute Beratung mit den ganzen Jungs von meinem (mittlerweile unserem) Freundschaftskreis, doch das nötige Kleingeld mußte er dennoch von seiner eigenen Tasche bezahlen. Ja und er griff weit in sein Täschchen. Was ich mir in vielen Jahren Stück für Stück aneignete ging bei ihm in wenigen Wochen. Delkims, 4er Setup inklusive Zelt und Liegen usw. Das volle Programm eben. Und nicht nur für ihn, nein auch für seine bessere Hälfte mußte das Feldbett in Form von Trakker und Co her. Wir angelten natürlich die ein oder andere Nacht zusammen, aber auch mit den Jungs war er schon ein paar Nächte unterwegs. Der längste Trip stand dann auch schon vor der Tür. Nach schlappen 6 Monaten „Eingewöhnungsphase“ ging es dann auch gleich mal an den Cassien. Leider ohne Fisch aber es muß doch sehr Atemberaubend sein für so einen Quereinsteiger gleich mal „Das“ Wasser kennen zu lernen. Viele lesen und hören nur über viele Jahre hinweg von dem südfranzösischen Traum, doch gesehen haben sie ihn noch nie. Wie schon eingangs erwähnt, ohne es genauer zu wissen investierte er mehrere tausend Euro für ein Hobby welches er bislang nur aus meinen Erzählungen kannte und oft hat „Mann“ auch Glück und hat einfach das Richtige getan. Ich bin absolut glücklich mit seiner Entscheidung, denn ab jetzt kann ich auch mit meinem Bruder diesem Hobby nachgehen und vor allem mit ihm über das Vergangene und noch Bevorstehende diskutieren. Danke Chri für diesen Schritt, du hast ganz sicher einen Vogel!

 

 

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 Ja Bruderherz, du hast sicher einen Vogel…
 
 
Ab ins Wasser egal wie kalt!
 
 Themenwechsel. Vor vielen Jahren befischte ich ein neues Gewässer. Es war Spätherbst und ich wollte nochmal schnell 2 Tage vor dem Ansitz ein paar Pralinen und Leckereien an die gewählten Spots versänken. Ich wußte daß dies perfekt mit einem Tretboot funktioniert, die es dort stundenweise zum mieten gab. Nur schade daß man um diese Zeit kein Boot mehr ausborgen kann. So jetzt stand ich da. 100 Meter zum einen Spot und bestimmt 80 zum zweiten. Wie komme ich da hin, ohne Boot, Futterboot oder eigenen Schlaucherl? Richtig, schwimmen! Es war trüb kalt und eine Wassertemperatur von etwa 12 Grad. Und daß ohne Anzug, nur in der Short. Die Baits im kleinen Rucksack umgeschnallt und rein ins kühle Naß. Meine Freundin hielt mich für einen vollkommenen Idioten, sie schämte sich anscheinend mehr für mich als ich mich selbst, aber das war mir ziemlich egal. Das Futter mußte zum Fisch, wie war im Endeffekt zweitrangig. Gebracht hat es schlußendlich leider nichts, doch ich wußte daß ich meine Hausaufgaben gemacht habe und ich somit die Chance erhöht habe, einen dieser Schotterlochkarpfen zu haken.
Ich bin gerne im Wasser und erforsche mit dem Schnorchel und Taucherbrille meine Spots, Krautlöcher und dergleichen, doch ein anderer guter Freund von mir ist da noch kompromißloser. Chris Ackermann hat denke ich Schwimmhäute an den Händen und Füßen. Er taucht nicht nur im Sommer, nein der „Kranke“ tut das auch in den eher kalten Jahreszeiten. Natürlich mit Anzug. Doch wie verrückt muß man sein um sich diese Tortur auch im Spätherbst oder im Frühjahr zu gönnen. Ich weiß es nicht, aber die Fänge von ihm sprechen eine eindeutige Sprache. Und ich weiß daß der liebe Chris sehr oft seine Montagen mit Flossen, Brille und „Plastikstrohhalm“ an die Spots taucht.
 
 

 

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Chrissi, du bist und bleibst „Krank“

Polizei, bitte nicht lesen!

Es war April 2008. Ein Trip nach Italien in die Nähe von Rom sollte eine ganz andere Herausforderung für uns parat halten. Wir waren insgesamt zu neunt. Das Problem war aber das wir alle mit nur 4 Autos dort hin kommen mußten. So bin ich mit noch zwei Jungs mit meinem Kombi, plus Anhänger, plus Dachbox die lächerlichen 1200 km gegondelt. Schnittgeschwindigkeit 110 km/h. Das war ja nicht so der Streß. Mein Streß begann schon viel früher, nämlich dann als ich den Anhänger auf die nahegelegene Brückenwaage stellte und die mir rund 1,2 Tonnen anzeigte. Sche… was tun! Klar alles noch mal auspacken und von den Partikeln einmal das Wasser abschütten. Einen 50kg Sack, noch ungekochten Mais zu Hause lassen in der Hoffnung daß er nicht fehlen würde. Und 3 Trays Getränke auch mal schnell wieder in den Keller verstaut. Nach dem wir dann zum zweiten Mal den Anhänger sauber geschlichtet eingeräumt haben, neuerliche Abwaage, in der Hoffnung doch ein „paar“ Kilos verloren zu haben. Ja und wir waren auf ziemlich genau 1000kg. Ich hoffe das hier liest jetzt kein „Freund und Helfer“ denn ich bin schlußendlich so gefahren. Mit 250kg zu viel an Board. Richtig lieber Leser, meine Hose war die ersten 200km gestrichen voll. Jede Bodenwelle wurde zu einer Vergnügungsparkatraktion. Der Hänger hüpfte wie ein Gummiball gefühlt 15 Minuten nach. Bestimmt sehr gesund für meine Nerven, Federn des Anhängers und Co, aber wir waren mit allem Tackle recht gut in Mittelitalien angekommen. Gott sei Dank mußten wir nicht auf den zu Hause gebliebenen Sack Mais zurückgreifen. Das Futter reichte im Endeffekt aus. Wir hatten die Fische am Platz und konnten wunderbare Fangerfolge für uns zu Buche schreiben. Es war eine mächtige Session an einem atemberaubenden See.

 

 

 

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Wahnsinnsfische inklusive, Danke Italien!

 
 

 Das Übliche und Selbstverständliche                          

Es ist mittlerweile selbstverständlich daß wir unsere Urlaube an die Beißzeiten anpassen. Wir versuchen so gut es geht die heiße Zeit um das Laichschauspiel am Wasser zu verbringen. Verzichten gerne auf den Sommerurlaub, nur um im Herbst die Freßphasen am Hauswasser voll auszuschöpfen. Leider oft mit zu wenig Nachsicht. Da gibt es nämlich bei den meisten unter Euch bestimmt noch jemanden der auch gerne Aufmerksamkeit bekommen möchte. Und da beginnen sich dann Meinungsverschiedenheiten zu bilden. Nie hast du für mich Zeit, immer bist du am Wasser, du liebst deine Fische doch viel mehr als mich, blablabla… Erst kürzlich war ein Bericht über dieses Thema zu lesen. Ich habe mich köstlich dabei amüsiert. Wie bekannt mir das Ganze vorkam. Doch im Ernstfall gehen hier Beziehungen zu Bruche. Steht das wirklich dafür? Müssen wir unserem Hobby wirklich so knüppelhart nachgehen das sich unsere bessere Hälfte verarscht vorkommt? Hm… wie weit können oder dürfen wir gehen. Dies ist natürlich jedem sein eigenes Ding, ich werde jedoch versuchen einen goldenen Mittelweg zu gehen. Mit reden kommen die Leute zusammen, so sagen wir hier in Österreich. Also ein kurzer Small-Talk mit der Besten und dann sollte schon die ein oder andere Nacht ohne einen bösen Wort drinnen sein.

 
 

 

 

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 Beziehungskiller oder doch nur „Das“ Hobby? Egal den Traum in Händen!
 
Thema Auto. Wie gerne würde ich ein flottes PS-Starkes Cabrio in Rot mit 20 Zoll-Rädern fahren. Schon mal nachgedacht wie man mit so etwas nach Frankreich für 14 Tage angeln kommt? Vielleicht einen Anhänger dran oder insgesamt 3 Gebäcksträger? Geht nicht, also muß einmal mindesten ein Kombi her. Ohne Dem kommt man nicht sehr weit. Wer das nötige Kleingeld für das obengenannte Fahrzeug in Rot besitzt, herzlichen Glückwunsch. Ich habe es leider nicht, darum reicht mein Tschechengolf in Form von einem Octavia. Auch ich hatte ein nagelneues Auto, zwar einen Kleinwagen, doch konnte ich mit dem nicht wirklich etwas anfangen. Es fiel mir auch schwer den kleinen Prinzen gegen ein „Gebrauchtes“ einzutauschen, doch Größe gewann gegen Alter. Und ich habe diese Entscheidung noch nie bereut.
 
Also, wir richten unsere Urlaube nach unserm Hobby aus, gehen mitunter gröbere Konflikte mit unserer Partnerin ein, nehmen teilweiße sogar Trennungen in kauf, schaffen uns unsere Autos nach unseren Vorstellungen an und so weiter und so fort. Habt ihr schon mal nachgedacht wie oft wir an unser Hobby denken, wie oft wir das Wort Karpfen in den Mund nehmen. Wieviel Freunde wir nur wegen diesem Hobby haben, was wir alles unternehmen um an den begehrten Schatz aus der Tiefe zu gelangen? Lügen, Krankenstände, geschwänzte Familienfeiern, zu spät kommen in der Firma weil man den einen noch schnell ablichten mußte. Oh mein Gott „Karpfenangeln“ was tust du mit uns? Kann es sein das wir Hilfe brauchen oder ist es doch nur ganz normal daß man sein Hobby mit Leibund Seele nachgeht? Mir ist es egal, ich bin glücklich mit dem was und wie ich es tue. Wie verrückt und durchgeknallt es ihr macht bleibt euch überlassen. Eines weiß ich aber ganz bestimmt… das wichtigste ist daß es Geil ist!
 
Mit durchgeknallten Grüßen euer

Philipp „Pirsti“ Pirstinger

www.aquaborne.blogspot.com

 

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                                                                              Das wichtigste ist, dass es geil ist!!!